Sommerzeit ist Badezeit. Bei Temperaturen über 30 Grad locken Freibäder und Seen Groß und Klein. Doch für immer mehr Menschen in Deutschland wird das kühle Nass zur unterschätzten Gefahr. 2018 stieg die Zahl der tödlichen Badeunfälle im Vergleich zum Vorjahr um 20 % auf 504. Denn immer weniger Menschen beherrschen das Schwimmen ausreichend. Derzeit erhalten nur 63% der Kinder unter 6 Jahren ersten Schwimmunterricht, und nur rund 40% der Grundschüler sind sichere Schwimmer.

Kleine Kinder sind besonders gefährdet. Sie ertrinken meist lautlos und sehr rasch. Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich mit der Wassergewöhnung und dem Schwimmen-Lernen zu beginnen. Als sinnvolles Einstiegsalter gilt das vierte oder fünfte Lebensjahr.

Die Fraktion Hauptsache Halle hat kürzlich einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, welcher das Ziel verfolgt, dass möglichst jede KiTa in der Stadt Halle (Saale) ab dem Jahr 2022 Angebote zu Baden und Wassergewöhnung in das Konzept ihrer Einrichtung aufnimmt. Darin schlagen wir vor, dass die Stadtverwaltung zusammen mit dem Eigenbetrieb KiTa ein Konzept für das Schwimmen-Lernen an Kindertagesstätten entwickelt. Dabei sollen vorhandene qualifizierte Schwimm-Angebote stärker genutzt werden: etwa die Weiterbildungen „Seepferdchen-Guide“ und „Sicheres Baden“ von Landesschwimmverband und Unfallkasse Sachsen-Anhalt, die Lehrgänge der Wasserwacht zur Wassergewöhnung und Rettungsfähigkeit in Kita und Hort sowie weiterführende Kurse zum sicheren Schwimmen für Kinder.

Aus unserer Sicht ist es wichtig, in der Bevölkerung ein breites Verständnis für diese Problematik zu entwickeln, das Schwimm-Konzept sinnvoll in die Arbeit der beteiligten Einrichtungen einzupassen und es effektiv umzusetzen. Deshalb plädieren wir dafür, eine Vielzahl von Akteuren bei der Konzeptentwicklung einzubeziehen. Neben der Stadtverwaltung, den Vertretern der Kindertageseinrichtungen, der Schwimmhallen und Bäder, Wasserwacht, DLRG und Schwimmvereinen sind dies vor allem die Eltern. Ihre Akzeptanz und Mitwirkung ist entscheidend, wenn es gelingen soll, dass mehr Kinder sicher schwimmen können.

Schwimmen ist ein Lebensrecht für jedes Kind. Mit einfachen Mitteln können wir viel erreichen, um Badeunfällen vorzubeugen.

Erschienen im AMTSBLATT der Stadt Halle (Saale), 01. Februar 2020

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