Ihre bloße Existenz polarisiert. Besonders auf dem Marktplatz und am Hallmarkt sowie in der Neustädter Passage haben sich große Schwärme angesiedelt. Die Stadttaube, d.h. die verwilderte Haustaube, die einst dem Menschen als Fleisch- und Eierlieferant diente und zudem die Aufgabe eines „Postboten“ übernahm, ist heute mancherorts in Halle zu einem Problem geworden. Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich belästigt und klagen über Verunreinigungen von Straßen, Plätzen und Gebäuden durch Taubenkot.

Seit längerer Zeit werden seitens der Stadtverwaltung und der Tierschützer Lösungsansätze für eine Reduzierung der Taubenpopulation gesucht. Dabei ist ein Blick über den „halleschen Tellerrand“ durchaus sinnvoll. In einigen Städten, wie Jena, Torgau oder Stuttgart, wird das „Augsburger Modell“ favorisiert. Hierbei werden betreute Taubenschläge an Orten mit großer Taubendichte errichtet. Diese werden regelmäßig gereinigt und die gelegten Eier durch Attrappen ersetzt. Darüber hinaus wird Wasser und artgerechtes Futter bereitgestellt. Durch diese Maßnahmen lassen sich die Vermehrung der Vögel regulieren und die Verschmutzungen durch Kot reduzieren, was wiederum Reinigungskosten spart. Durch die Standorttreue der Tiere sind zudem seltener große Schwärme zu beobachten.

Die Fraktion Hauptsache Halle & FREIE WÄHLER sieht in der Umsetzung dieser Idee in Halle-Neustadt eine Möglichkeit, um vor allem in der Neustädter Passage die Taubenpopulation zu verringern. Deshalb wurde die Stadtverwaltung beauftragt, zu prüfen, ob nach Beendigung der Sanierungsarbeiten der Hochhaus-Scheibe A auf dem Dach ein betreuter Taubenschlag errichtet werden kann. Die Fraktion hat außerdem eine diesbezügliche Kooperation mit benachbarten Schulen angeregt, damit Kinder und Jugendliche einen Einblick in nachhaltigen Tierschutz erhalten.

Zur Lösung des Problems sind gleichwohl alle Hallenserinnen und Hallenser aufgerufen, indem das Taubenfütterungsverbot allseits Beachtung findet. Unkontrollierte Fütterungen kommen auch anderen Schädlingen zugute und sind somit ein Zeichen falsch verstandener Tierliebe.

Erschienen im AMTSBLATT der Stadt Halle (Saale), 25. Juni 2021

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