Für 835 Bäume wurde im Jahr 2019 bei der Stadt Halle (Saale) ein Antrag auf Fällung gestellt. In 772 Fällen erfolgte eine Genehmigung, teilte die Stadt auf Anfrage von Stadtrat Dr. Sven Thomas (Hauptsache Halle) mit. Dagegen wurde angeordnet, 566 Bäume als Ersatzmaßnahme neu anzupflanzen.

Für vier gefällte Bäume wurden in Halle also 3 neue Bäume gepflanzt. Dabei nicht berücksichtigt sind 67 Gefahrenabwehrmaßnahmen, die weitere Baumfällungen ermöglichten. Hinzu kommt eine nicht erfasste Anzahl von Bäumen, außerhalb des Geltungsbereichs der Baumschutzsatzung.

Diese Zahlen stützten den Eindruck vieler Bürger, dass Halle in den innerstädtischen Bereichen, die für das Lebensgefühl von Einwohnern und Gästen ausschlaggebend sind, spürbar „entgrünt“ wird, sagt Dr. Thomas. Allerdings habe die Stadt mit großangelegten Pflanzaktionen in der Heide oder am Hufeisensee im letzten Jahr auch positive Akzente gesetzt.

Dr. Thomas fordert, in der neuen Baumschutzsatzung der Stadt, Robinien und Eschenahorn als schützenswerte Bäume anzuerkennen. Beide Baumarten sind seit Jahrhunderten in Europa heimisch. Erstmals beschrieben wurden die Arten Robinie und Eschen-Ahorn 1753 von Carl von Linné. Beide Bäume stammen ursprünglich aus Nordamerika. Die Robinie wurde durch die französischen Hofgärtner Jean Robin (1550–1629) bzw. Vespasien Robin (1579–1662) erstmals in Europa aus Samen gezogen und in Paris angepflanzt. Die Anpflanzung des ersten Eschen-Ahorns erfolgte in Europa im Jahr 1688. Beide Baumarten sind hervorragend an die Bedingungen des Klimawandels angepasst. Der NABU erklärte die Robinie sogar zum „Baum des Jahres 2020“. Zwar sei ihr Anteil am Waldbestand in Deutschland mit 0,1 Prozent verschwindend gering, doch in Städten gilt sie als unverwüstlich. Mit hoher Verträglichkeit gegenüber Salz und Luftverschmutzung kommt die Robinie mit städtischem Klima und schwierigen Bodenverhältnissen gut zurecht.

„Es gibt keine ‚guten‘ und ‚schlechten‘ Bäume“, sagt Dr. Thomas. „Entwaldungsaktionen“, wie die im Harz, im Wörlitzer Gartenreich oder im Trothaer Wäldchen sollen, nach Auffassung von der Fraktion Hauptsache Halle, künftig nicht mehr genehmigungsfähig sein.

Erschienen im AMTSBLATT der Stadt Halle (Saale), 29. Februar 2020

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