Die Energiewende ist eingeläutet und verändert die Strom- und Wärmeversorgung. Auch die Antriebstechnologien werden stärker als bisher betroffen sein, denn die Tage der aus fossilen Quellen hergestellten Kraftstoffe sind gezählt. Bislang gilt das Elektroauto als das Nonplusultra. Fahrzeuge, die mit grünem, d.h. aus Wind und Solarkraft gewonnenem Strom betrieben werden, sollten in Zukunft Menschen und Güter bewegen. Doch es regt sich auch Kritik. Der Abbau der Rohstoffe, z.B. „Seltene Erden“, ist extrem umweltschädlich und die Entsorgung der verschlissenen Akkus problematisch. Zudem fehlt es an Ladesäulen und die Reichweite ist begrenzt. Deshalb kann man den Fokus nicht allein auf E-Mobilität ausrichten. Vielmehr bedarf es eines guten Mischungsverhältnisses verschiedener Antriebstechniken. So ist die Nutzung von Wasserstoff eine vielversprechende Alternative.

Das Element hat gewaltiges energetisches Potential. In seinem Buch „Die geheimnisvolle Insel“ schrieb Jules Verne 1875 „Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist.“ Im 19. Jahrhundert noch Vision, ist die Entwicklung von Wasserstoffantrieben heute längst den Kinderschuhen entwachsen. Auf dem Markt sind bereits Pkws und Busse, Lokomotiven befinden sich in der Erprobung.

In diesem Kontext unterstützt unsere Fraktion die Idee, am Hafen in Halle-Trotha ein Innovationszentrum Wasserstoff zu errichten. Ziel ist die Produktion von grünem Wasserstoff mit Hilfe eines Elektrolyseurs. Das würde nach dem bevorstehenden Kohleausstieg neue Arbeitsplätze schaffen, kann jedoch nur der erste Schritt sein, dem weitere folgen müssen. Zu überlegen wäre zum Beispiel, die Fahrzeuge der Stadtverwaltung und der Unternehmen mit städtischer Beteiligung sukzessive umzurüsten.

Es ist dennoch eine Illusion anzunehmen, dass die 7.000 Arbeitsplätze, die der Kohleausstieg in der Region gefährdet, mit Fördermitteln ersetzt werden könnten. Damit aus dem Kohleausstieg keine zweite Deindustrialisierung Ostdeutschlands wird, ist es nötig, auch in die Lebensqualität zu investieren. Nur in einer lebenswerten Stadt siedeln sich Unternehmen gerne an.

Erschienen im AMTSBLATT der Stadt Halle (Saale), 03. September 2021

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