Die Hallenserinnen und Hallenser sind bekanntermaßen sehr tierlieb. Hunde, Katzen, Vögel und viele andere Haustiere werden von ihnen liebevoll gehegt und gepflegt. Tierliebe kann jedoch über das Ziel hinausschießen, wenn sie dem Wohl der Geschöpfe zuwiderhandelt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Füttern von wildlebenden Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum. Gemäß der Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Halle gilt in diesem Zusammenhang allerdings ein Fütterungsverbot. Auch wenn gute und nachvollziehbare Gründe dafürsprechen, wird dies allzu häufig von Tierfreundinnen und Tierfreunden ignoriert. Das zieht Konsequenzen nach sich.

Ernähren sich Wildtiere nicht von artgerechtem Futter, kann das zu Stoffwechselerkrankungen, Organschäden und somit zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen. Nahrungsüberfluss verursacht darüber hinaus eine unkontrollierte Vermehrung, was keine positiven Auswirkungen auf das Ökosystem hat, weil andere Arten verdrängt werden. Auch zunehmende Verunreinigungen durch Futterreste und Ausscheidungen der angelockten Tiere, z.B. Enten und Schwäne am Saaleufer und auf der Ziegelwiese, sind die Folge. Das Füttern von verwilderten Stadttauben hat ebenfalls negative Folgen. Die dargebotenen Körner werden von Ratten ebenso wenig verschmäht, was die Population der Nagetiere ansteigen lässt. Die Situation in Teilen Halle-Neustadts und am Franckeplatz ist ein offenkundiger Beweis dafür. Die Rattenbekämpfung stellt wiederum eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Kommune dar, weshalb die Bevölkerung für die Problematik sensibilisiert werden muss.

Die Fraktion Hauptsache Halle & FREIE WÄHLER hat aus den geschilderten Gründen einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, mit dem die Verwaltung beauftragt werden soll, mittels einer Aufklärungskampagne auf das geltende Fütterungsverbot für freilebende Tiere hinzuweisen. Es sind geeignete Mittel, z.B. Hinweisschilder, zu entwickeln und an exponierten Stellen zu errichten, wo häufig illegale Fütterungen zu beobachten sind. Nur durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Wildtieren in Halle können alle dazu beitragen, dass sowohl dem Tierschutz als auch dem Wunsch nach Erholung in der Natur genüge getan wird.

Erschienen im AMTSBLATT der Stadt Halle (Saale), 03. Juni 2022

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