Wenn alte Gemäuer reden könnten, hätte der „Waldkater“ viel zu erzählen. In seiner fast 175-jährigen Geschichte hat er so manches erlebt. Eine einfache Hütte am Südostrand der Dölauer Heide bildete im Revolutionsjahr 1848 den Anfang. Nach einem Brand im Jahr 1877 entstand ein Fachwerkbau, der in den kommenden Jahren ständige Erweiterungen erfuhr. Schon bald wurde die Gastwirtschaft zu einem beliebten Ausflugslokal für die Hallenserinnen und Hallenser und ist es bis heute geblieben.

Wie alle Gaststätten hierzulande, hatte auch der „Waldkater“ unter den pandemiebedingten Auflagen zu leiden. Ein weiterer Schicksalsschlag folgte am ersten Aprilwochenende 2022, als der Dachstuhl brannte und Teile des Gebäudes durch Löschwasser beschädigt wurden. Die sitzungsfreie Zeit nutzend, machten sich die Stadträte Andreas Wels und Johannes Menke (Fraktion Hauptsache Halle & FREIE WÄHLER) am letzten Donnerstag vor Ort ein Bild von der aktuellen Lage und kamen mit dem Inhaber ins Gespräch.

„An dem Tag, an dem für die Gastronomie in Sachsen-Anhalt die Corona-Beschränkungen fielen, brach im Dachstuhl unseres Hauses das Feuer aus. Das war ein harter Nackenschlag“, erinnert sich „Waldkater“-Pächter Carlos Frenki an die Ereignisse Anfang April. Der Wiederaufbau der Küche und des Jagdzimmers, die nach dem Feuerwehr-Einsatz unter Wasser standen, werde wohl ein Jahr in Anspruch nehmen. Trotzdem gehe der Betrieb weiter und auch zahlreiche Veranstaltungen würden durchgeführt. Ohne Sponsoren, viele helfende Hände und treue, motivierende Freunde wäre das alles nicht zu realisieren gewesen.

„Der Optimismus, mit dem hier an die Wiederaufbauarbeit gegangen wird, beeindruckt mich sehr. Viel zu oft sehe ich in unserer Stadt, dass die positive Grundstimmung fehlt und kein progressives, auf Entwicklung gerichtetes Verhalten an den Tag gelegt wird. Wir verlieren allmählich den Blick fürs Wesentliche, wenn nur noch über Verluste geklagt wird“, stellt der Fraktionsvorsitzende Andreas Wels fest. Umso mehr sei es zu begrüßen, dass der Inhaber des „Waldkaters“ nicht resigniert die Flinte ins Korn geworfen, sondern stattdessen angepackt habe. Johannes Menke sieht noch einen weiteren Aspekt: „Das ist sozusagen der Klassiker eines Biergartens mit seiner urtümlichen Gemütlichkeit, wie man ihn von früher kennt. Für eine lebendige Stadt und eine funktionierende Gesellschaft ist auch das immens wichtig. Wir müssen die Orte der Erholung und des ungezwungenen Austauschs unbedingt erhalten.“ Zudem freue es ihn, dass die älteren Menschen einen Ort hätten, wo sie sich auch mal zum Tanztee treffen könnten.

In die Zukunft blickt Carlos Frenki allerdings dennoch mit ein wenig gemischten Gefühlen. Die steigenden Energiepreise und eine möglicherweise bevorstehende neue Corona-Welle im Herbst bereiten ihm doch etwas Bauchschmerzen. Hinsichtlich der zu erwartenden höheren Heizkosten werde man enger zusammenrücken und die Öffnungszeiten einkürzen. Seine zahlreichen Gäste, die ihm seit Jahren die Treue halten, werden gleichwohl regelmäßig im „Waldkater“ einkehren und freuen sich auf den 175. Geburtstag der beliebten Ausflugsgaststätte im kommenden Jahr.

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