Wenn Menschen in Not geraten, ist schnelle Hilfe überlebenswichtig. Gerade in Parks, Wäldern oder auf Radwegen ist eine genaue Orientierung bisweilen nicht oder nur schwer möglich. In der Bundesrepublik werden verschiedene Möglichkeiten genutzt, um Rettungskräfte zügig zum Ort des Geschehens zu leiten.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Stadtverwaltung:

  1. Nutzt die Rettungsleitstelle Halle das System Advanced Mobile Location (AML) zur Ortung des Anrufers?
  2. Wenn ja, welche Grenzen hat das System AML, z.B. hinsichtlich der Ortung älterer Mobiltelefone ohne permanente Internetverbindung?
  3. Wenn nein, ist eine künftige Nutzung des Systems AML geplant?
  4. Sind darüber hinaus alternative Möglichkeiten der Ortung, z.B. sogenannte SOS-Schilder in Planung?

Antwort der Verwaltung:

1. Nutzt die Rettungsleitstelle Halle das System Advanced Mobile Location (AML) zur Ortung des Anrufers?

Die Rettungsleitstelle Halle (ILS Halle) nutzt das System AML aktuell noch nicht.

2. Wenn ja, welche Grenzen hat das System AML, z.B. hinsichtlich der Ortung älterer Mobiltelefone ohne permanente Internetverbindung?

Eine Internetverbindung ist für AML nicht notwendig, jedoch eine GPS-Verbindung. Die ent­sprechende Kompatibilität geben die Mobiltelefonhersteller in deren Betriebssystemen vor. Demnach ist ausschlaggebend, bis zu welchen ausgelaufenen Mobiltelefonbaureihen die Hersteller ihre neueren Versionen der Betriebssysteme anbieten. Beispiel: Apple ab iOS 11.3 (Smartphones ab 2013) und Android ab Android 4 (Smartphones ab 2011).

3. Wenn nein, ist eine künftige Nutzung des Systems AML geplant?

Die Einführung von AML befindet sich in Bearbeitung und ist für 2022 geplant.

4. Sind darüber hinaus alternative Möglichkeiten der Ortung, z.B. sogenannte SOS-Schilder in Planung?

Nutzung von alternativen Möglichkeiten:

Als vorerst alternative Möglichkeit wird seit Januar 2021 eine Erweiterung des bereits genutzten Systems „RescueTrack“ genutzt. Hierbei ist es allerdings notwendig, dass der Einsatzbearbeiter (Disponent) aktiv und manuell eine SMS via RescueTrack an die Handynummer des Notrufenden sendet. Dieser muss wiederum einen in der SMS enthaltenen Link öffnen und bestätigen (Zustimmung Datenschutz), woraufhin die Standortdaten in der ILS (Web-Oberfläche außerhalb des Einsatzleitsystems) angezeigt werden. Das System bietet weiterhin die Möglichkeit, mit dem Smartphone aufgenommene Bilder vom Notfallort analog der Übermittlung der Standortdaten an die ILS zu übersenden. Hierin sieht die ILS Halle die Hauptnutzung der Erweiterung, da hierüber eine sehr frühe Lageeinschätzung möglich ist. Die Übermittlung der Standortdaten wird hingegen als nicht praktikabel bewertet und kann nur eine Übergangslösung darstellen.

Die Ortung von Mobiltelefonen über die Funkzelleneinwahl wird seit dem Jahr 2000 genutzt. In diesen Fällen (jeder Notruf via Mobiltelefon) stellt das Einsatzleitsystem den Standort des Anrufers aus der Bildung des Mittelpunktes zwischen den drei nächstgelegenen Funkmasten auf einer Karte (OpenStreetMap) dar. Trotz der relativen Ungenauigkeit des Standortes kann in vielen Fällen die Standortzuordnung bspw. zu einem bestimmten Ortsteil, Park oder Autobahnabschnitt erfolgen.

Das System eCall übersendet automatisch Notrufe mit Standortdaten aus verunfallten Fahrzeugen (neuere Modelle). Diese Notrufe laufen vereinzelt direkt in der ILS Halle ein (bspw. Hersteller Ford) oder werden durch eine eCall-Zentrale telefonisch an die ILS Halle übermittelt. Gesetzliche Regelungen zur Aufschaltung der Notrufe auf die zuständige ILS (ohne Drittanbieter/Call-Center) befinden sich bundesweit in Erarbeitung/Abstimmung.

Planung von alternativen Möglichkeiten:

Die ILS Halle befindet sich derzeit im Probebetrieb der „nora Notruf-App“, welche die Standortdaten bei jedem Notruf übermittelt. Die App wurde vorrangig für Menschen mit eingeschränkten Sprach- und Hörfähigkeiten entwickelt, wird aber für alle Bürger angeboten. Der Start des Echtbetriebes ist aktuell auf den 25.09.2021 datiert.

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